Der Blick nach oben

Strahlen durch das Blätterdach

Manchmal muss ich einfach stehen bleiben und den Kopf in den Nacken legen. Genau das ist die Perspektive hinter meinem Werk „Strahlen der Hoffnung“. Ich stand mitten im Wald und habe nach oben geschaut. Die mächtigen Stämme, die wie Säulen in den Himmel ragen, das dichte Blätterdach und mittendrin die Sonne, die sich kraftvoll ihren Weg durch die Äste bahnt.

Es ist eine Perspektive, die einen sofort klein und gleichzeitig seltsam geerdet fühlen lässt.

Was mich an diesem Lichtspiel fasziniert

Als Malerin ist Gegenlicht eine der spannendsten, aber auch herausforderndsten Aufgaben. Wenn das Sonnenlichtdirekt durch die Bäume bricht, passiert etwas Erstaunliches mit den Farben.

  • Die Kontraste: Die Äste und Blätter wirken im direkten Gegenlicht fast schwarz, während das Licht an den Rändern alles zum Leuchten bringt.
  • Die Dynamik: Lichtstrahlen sind nicht einfach nur gelbe Striche. Sie verändern die Atmosphäre im gesamten Raum.
  • Die Tiefe: Durch das Zusammenspiel von hellen Strahlen und dunklem Holz entsteht eine enorme Räumlichkeit auf der Leinwand.

Warum ich dem Bild diesen Namen gegeben habe

Der Titel „Strahlen der Hoffnung“ klingt im ersten Moment vielleicht romantisch, aber für mich steckt darin eine ganz pragmatische Beobachtung aus der Natur.

Egal wie dicht das Geäst da oben ist, egal wie schattig es am Waldboden wirkt, das Licht findet immer eine Lücke.

Ich wollte mit diesem Bild kein Rezept für das Leben liefern und erst recht keine Predigt halten. Aber ich mag den Gedanken, dass ein Blick an die Wand uns im Alltag daran erinnern kann: Nach dunklen Phasen oder an stressigen Tagen gibt es immer wieder diesen einen Moment, in dem die Sonne durchbricht.

Im Licht des Waldes

Raum zum Durchatmen auf der Leinwand

Unser Alltag ist laut, digital und oft vollgestopft mit Aufgaben. Ich kenne das Gefühl selbst nur zu gut. Das Handy blinkt, die To-do-Liste wächst und der Kopf läuft auf Hochtouren.

Wenn mir alles zu viel wird, gehe ich raus. Ein einfacher Waldweg, das Geräusch von Schritten auf dem Waldboden und die kühle Luft. Mehr braucht es oft gar nicht, um wieder runterzukommen.

Weil man aber nicht jedes Mal spontan in den Wald flüchten kann, wenn der Alltag stresst, habe ich dieses großformatige Gemälde gemalt.

Der Weg als Motiv

Das Bild zeigt einen einfachen Pfad, der sich durch dichtes Grün schlängelt, während warmes Sonnenlicht auf den Boden fällt.

Ich mag Wege als Motiv sehr gerne, aber ganz ohne tiefgründige Symbolik:

  • Die Führung: Ein Weg zieht den Blick ganz automatisch ins Bild hinein. Er gibt dem Auge eine Richtung und schafft eine schöne Tiefe auf der ebenen Leinwand.
  • Das Licht: Wenn Sonnenstrahlen auf einen Waldweg treffen, entsteht dieser schöner Wechsel aus Licht und Schatten. Das bringt Leben und Bewegung in die Farbschichten.
  • Das Offene: Man sieht nicht sofort, was hinter der nächsten Biege kommt. Das lässt dem Betrachter Raum für eigene Gedanken.

Wie ich das Bild im Atelier aufgebaut habe

Bei diesem Werk war mir wichtig, dass sie Farben natürlich und unaufdringlich wirken. Ich habe mit organischen Grüntönen, kühlen Schattierungen und warmen Ockertönen gearbeitet.

Durch dicke Farbschichten und spürbare Texturen wirkt die Leinwand nicht glatt oder steril, sondern greifbar. Man soll dem Bild ansehen, dass es mit den Händen geschaffen wurde.

Was das Bild im Raum bewirkt

Ich möchte niemanden einreden, dass ein Bild das Leben verändern oder ein Wundermittel gegen Stress ist.

Aber Kunst hat eine physische Wirkung auf Räume: Ein großformatiges Naturgemälde holt eine ruhige, organische Atmosphäre a die Wand. Wenn man im Raum sitzt, aufblickt und seinen Blick für ein paar Sekunden dem Waldweg folgt, entschleunigt das ganze von alleine.

Es ist eine einfache Einladung, kurz innezuhalten, nicht mehr und nicht weniger.

Johanna Degelmann
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